Maibaum

Seit ihrer Gründung im Jahre 1911 betrachtet die Germeringer Burschenschaft die Pflege und Aufrechterhaltung alten Brauchtums als eine ihrer Aufgaben. Dazu zählt auch das Aufstellen eines Maibaums mit all den nötigen Vorbereitungen und mit dem traditionellen Maitanz.

Aussehen des Maibaums

Bis 1970 wurden in Germering Fichtenstämme als Maibäume aufgestellt, die als einzigen natürlichen Schmuck den Baumwipfel und einen Fichtenkranz mit Bändern trugen. Diese unbehauenen Stämme hatten ihren Halt in einem ausgehobenen Erdloch. Zwischen 1970 und 73 ging man dazu über, den Stamm zu schälen, zu streichen und ihn mit Figuren und der Nachbildung wichtiger Gebäude zu verzieren. Dabei wird auf das kunstvolle Streichen besondere Sorgfalt verwendet ~ Der untere Teil des Stammes ist mit einem Rautenmuster bedeckt, während sich um den übrigen Teil weißblaueStreifen spiralförmig winden. Die Maße dieser Streifen werden von einer Vereinsgeneration auf die nächste vererbt.

Zu oberst thront heute auf dem Germeringer Maibaum der bayerische Löwe, der an der Spitze als bewegliche Wetterfahne angebracht ist. Zu unterst ist auf dem jetzigen Maibaum ein Schild mit folgendem Spruch befestigt:

"Um Sitte und Brauchtum zu erhalten,
hat man mich hierher gestellt.
Zur Freude der Jungen und der Alten,
zur Besinnlichkeit mahnend auf dieser Welt."

Unser Germeringer Maibaum ist zwischen zwei Schienen, die in der Erde verankert sind, festgeschraubt. Nach Brauchtums- und Versicherungsrichtlinien hat heute im Regelfall ein Maibaum eine Haltbarkeit von 2 - 3 Jahren.

Herrichten und Aufstellen des Maibaumes

Schon im Januar/ Februar wird mit dem Stifter des Baumes gesprochen und der künftige Maibaum im Wald ausgesucht. Anfang bis Mitte März wird er gefällt, geschält und getrocknet und Anfang April ins Dorf geholt. Hier wird er in vielen Freizeitstunden von den Mitgliedern der Burschenschaft bearbeitet und ideenreich verziert. Dies ist auch die Zeit, in der der Maibaum gestohlen werden kann und deshalb vor allem nachts bewacht werden muß. Ist er dann endlich fertig und von Dieben verschont geblieben, wird er am 1.Mai oder an dem vorausgehenden oder nachfolgenden Samstag aufgestellt. Dies geschieht mit kürzeren und längeren sog. Zangen, jeweils zwei Baumstämmen, die überkreuz verknotet sind und von kräftigen Burschen gehandhabt werden. Ist ein Maibaum zu hoch, wird zum Aufstellen ein Kran eingesetzt. Damit der Maibaum zwischen den zwei Schienen ins rechte Lot kommt, bedarf es eines fachkundigen Zimmers Auge.

Der Brauch des Maibaumstehlens

Zunächst muß bekannt sein, in welchem Dorf ein neuer Maibaum fällig ist. Der Maibaum kann nur gestohlen werden, so lange er im Dorf lagert und bearbeitet wird. Das sind meistens die Wochen im April. Anfang April geht man auf Achse, d.h. auf Spionage. Es gilt vor allem, den Wachrythmus und die Zeiten der Wachablösung zu erkunden. Das Gewicht des Stammes muß abgeschätzt und Fahrzeuge zum Abtransport bereitgestellt werden.

Falls eine Alarmanlage angebracht ist, muß ein Elektriker mit von der Partie sein, der sie außer Kraft setzt. Dies alles geht in tiefer Nacht möglichst lautlos vor sich. Alle Burschen und Exburschen helfen nach Kräften mit. Wenn der Baum aufgeladen ist, muß er über die Gemeindegrenze geschafft werden. Erst dann gilt er als gestohlen. Werden die Diebe dabei ertappt, haben sie ihre Auslosungsforderung im vorhinein verspielt. Gelingt ihnen der Diebstahl, gereicht ihnen der gestohlene Baum zur Ehre und sie verlangen seine Auslosung. Das führt nicht selten zu langwierigen Verhandlungen. In der Regel bekommt jeder Beteiligte eine Maß Bier und eine Brotzeit spendiert.

Wird diesen Auslosungsbedingungen nicht nachgekommen, können die Burschen den gestohlenen Maibaum als Schandbaum zum Spott des betreffenden Dorfes aufstellen. Dazu behängen sie ihn mit klapprigen Büchsen und einer schwarzen Fahne. Es ist auch möglich, daß sie ihn versteigern oder in kleine Stücke zersägen.

 

Maibaumdiebstähle